film
CUBE – the virtual life
Ein abstrakter Film über die Soziale Intelligenz unter dem Einfluss moderner Kommunikationstechniken – eine Diplomarbeit von Nils Gabelgaard (2008)
Erläuterung
Die Geschwindigkeit unseres Lebens wird immer schneller. Ich fühl mich als Teil einer Gruppe, die in eine Medienlandschaft geboren und in dessen aufgewachsen ist. Spielekonsolen, Kabel-Fernsehen, erste Computer und die Entwicklung des Mobiltelefons ist Teil unserer kulturellen Entwicklung und Heranwachsen in die Gesellschaft. Wir werden von Kind auf mit dem Umgang verschiedenster Medien geschult, gewollt oder auch nicht. Und die Entwicklung immer weiterer Unterhaltungselektronik reißt nicht ab. Die Entwicklung technischer Geräte und Informationsverarbeitenden Systemen scheint dem Turmbau von Babel gleich. Schon damals ahnte keiner, wo dies hinführen würde. Ist dies in unserer heutigen Zeit ebenso der Fall? Es ist ein Verfall des Menschlichen zu beobachten, vor allem durch das Kommunikationsmedium Internet. Wissen wir, wo das hinführen wird, wenn wir uns ständig im Internet berieseln lassen, Fernsehschauen oder tausende SMS schreiben? Wissen wir noch, wie wir anderen Menschen von Angesicht zu Angesicht gegenübertreten sollen? Durch das Internet haben wir die Möglichkeit zu jeder Zeit und an jedem Ort mit anderen zu kommunizieren. Wir haben dadurch die Möglichkeit alte und neue Kontakte aufrecht zu erhalten. Aber führt diese Möglichkeit nicht zu einem gewissen „Zwang“ dies auch zu tun? Dem Drang mit möglichst vielen Menschen viele banale Dialoge zu führen? Je mehr wir uns dem Medium Internet hingeben, desto mehr werden wir selber ein Medium. Ein Medium, dass nur noch heruntergebrochene Informationen in digitalisierter Form an andere überträgt. Wir als emotional fühlendes und empathisches Individiuum gehen dabei verloren. Hier setzt eine Art Taubheit ein, ein Grundrauschen. Es ist wie bei allen Dingen, die der Mensch tut, Gewohnheit führt zur Langeweile. Alles was spannend oder gar schockierend wirkte, wird trist und einschichtig. Das Level dieser Dosis wird stetig erhöht. Aktuelles Beispiel aus einem heute erschienenem SPIEGEL-ONLINE-Artikel* . Es wurde über den gestrigen Fernsehabend revidiert: das Finale von „Bauer sucht Frau“ und der neunte Staffelstart von „Big Brother“. Banal, einschichtig, sinnlos und nur zur stupiden Berieselung taugen diese ausgelutschten Fernsehformate. Der SPIEGEL nennt es „Fernsehen für schlichte Gemüter“. „Doch die Revolution hat ihre Kinder gefressen und das Medium seine Idee von Pietät und Distanz nicht nur beerdigt – sondern sie im Morast inszenierter Realität ersäuft.“ Sind wir nun an der Schwelle einer gesellschaftlichen Entwicklung angelangt, an der wir lieber uns jedem Unsinn hingeben als eine vernünftige Unterhaltung mit unseren Mitmenschen zu führen?
*09.12.2008 – SPIEGEL ONLINE: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,595238,00.html
Konzept
Die Umsetzung erfolgte in Form einer Art Installation. Es wurde ein Kubus aus Holz auf einer Wiese errichtet (Vergänglichkeit & Kontrast), der die Maße von 3x3x2,4 m hatte. Die vier Seitenwände wurden mit semitransparentem Stoff bespannt und dienten so später der Projektion sowie dem Blick nach außen. Je mehr Licht von den im Inneren angebrachten Beamern auf die Leinwände gegeben wurde, desto weniger war der Blick nach aussen möglich. D.h. je mehr die Person sich mit Medien umgibt, desto weniger Blick nach außen hat sie. Im Inneren befand sich ein schwarzer, neutraler und regungsloser Torso (kopf- und armlos), welcher im Zentrum des Kubus stand. Der Torso war somit von allen Seiten durch die auf ihn eindringende Medienflut von außen isoliert worden. Der Torso soll vermitteln, dass sich hinter den Handlungen, die auf der Leinwand sichtbar werden, ein menschliches Wesen verbirgt. – Kopflos, weil wir als Gegenüber ihn nur als ES wahrnehmen und nicht als DU. – Armlos, weil er zwar scheinbar die Kontrolle hat, aber dennoch handlungsunfähig ist, gefesselt an die Medien. Gefesselt an die Medien auch dadurch, weil der Torso keine Beine besitzt, die ihm den „Ausbruch“ aus diesem virtuellen „Gefängnis“ ermöglichen könnten. Die Projektion, die den Torso umgibt zeigt eine stetig wachsende Nutzung des Internets. Die Medienflut nimmt überhand bis zum Kollaps. Die Installation wurde filmerisch dokumentiert und zu einem Video geschnitten und musikalisch passend unterlegt. Das Endprodukt wurde eine DVD.
